Bildung ruft nach Orten und Gesellschaft

Auf dem diesjährigen Kongress des Archiv der Zukunft Netzwerks in Bregenz treffen sich gerade verschiedenste Pädagogen, Wissenschaftler, Eltern und Schüler. Es geht um neue Lernformen, Herausforderungen an Lehrer und Veränderungen, die möglich sind.
Auf der Bühne zur Einstimmung finden kleinere Dialoge statt. Der Filmemacher Reinhard Kahl hat geladen und neben bekannten Referenten gibt es auch jene, die an ganz anderen Seiten arbeiten. Zu ihnen zählt der Landwirt und ehemalige Lehrer Manfred Ott. Er beschreibt, was die Menschen in seinem Projekt suchen und brauchen. Keine Landwirtschaft als Pflichtunterricht, sondern die Schönheit des Lebens. Jeden Tag, ein Jahr lang, beobachten und handeln auf einem Bauernhof. Dazu gehört jedoch die Echtheit des Hofes. Nicht ein pädagogisches Konzept, sondern sinnvolle Aufgaben.
Dies wird auch von den Musikern der neuen Philarmonie in Bremen geschildert. Dort sitzen die Schüler zwischen den Musikern und dürfen den Energieschub im Orchester erfahren.
Keine Schulen, sondern Beziehungen werden gefordert.
Wie aber beginnt man in einer systematisierten Lehrstruktur individuelle Beziehung?
An anderer Stelle spricht Götz Werner über Zutrauen! Es sei eine Bringschuld. Man müsse es den Menschen geben, dann entstehe vertrauen. Und Hartmut Rosa beleuchtet das Phänomen der Resonanz, die es braucht, damit Beziehung entsteht.
Die Beispiele aus den verschiedenen Schulen zeigen, wie es gelingen kan. Aber gelingt es auch auf dem Kongress selbst?
Wir wagen ein Experiment: Keine Angst vor der Angst. Dieser Workshop wird von den Mitgliedern der ADZ Regionalgruppe München gestaltet. Was wir wissen: Jeder hat Ängste in seinem Schulalltag als Lehrer, Schüler, Elternteil. Wir bringen sich völlig unbekannte Menschen in den Dialog, bitten sie, wirklich verstehen zu wollen, an welchen konkreten Situationen genau diese Angst sich zeigt. Und entdecken, wie sich ganz individuelle Lösungswege erschließen.
Der Raum, mit Stühlen und einer grandiosen Aussicht auf den Vorplatz des Festspielhauses. Mit dem Stuhlkreis füllen wir etwas über zwei Drittel. Platz auf dem Boden für sauber beschriftbare Aussageblätter.
Und dann jenes Zutrauen, dass wir alle kompetent sind und uns gegenseitig beraten können.

„Es ist die einzige Veranstaltung, die ich hier besucht habe, aus der ich anders wieder heraus gehe, als ich hineingegangen bin“ sagt Monika. Sie berichtet von Workshops, bei denen das Werken eher Illustration als Persönlichkeitsbildung war. Und vieles andere war nach wie vor Vortrag und Frontalunterricht.

Bildung braucht Orte und Horizonte. Das kann man auch verstehen als konkrete Erlebensorte in den einzelnen Menschen, die dann zu Seelischen Horizonten heranwachsen.

In diesem Sinn wünschen wir uns mehr Beziehung und Gestaltung von Orten, an denen Entwicklung geschehen kann. Diese Orte fangen ganz konkret in unseren Vorstellungen an, Horizonte zu bilden. Und der offene, zugemutete Dialog bildet Gesellschaft.

 

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